Die Joyful Singers in der Göttinger Nikolaikirche


Ein Hauch Südstaaten-Flair wehte am Donnerstag durch die Nikolaikirche. Die Joyful Singers, ein fünfstimmiger Berliner Freizeitchor, präsentierten ihr Programm „God’s children“. Die Besucher waren hellauf begeistert.

Im normalen Leben sind sie Schülerin oder Patentingenieur, Werkstattmeister oder Wissenschaftlerin. In ihrer Freizeit haben sie sich seit dem Jahr 2000 dem Gesang verschrieben. Jürgen Beyer gründete den Chor, der seit 2017 von Simon Berg geleitet wird. Vor allem die Gospelmusik hat es den Mitgliedern angetan – nicht nur wegen ihrer Ausdrucksstärke, sondern auch wegen der tiefen Verwurzelung in den Alltagserfahrungen und der Religiosität der einfachen Leute. Auch die Chormitglieder selbst, so kann man den einführenden Ansagen zu den Stücken entnehmen, schöpfen in vielen ihrer Lebenssituationen Kraft, Hoffnung und Zuversicht aus dieser Musik. Einmal in der Woche probt der Chor und tritt regelmäßig in der Region Berlin auf. „Rund alle zwei Jahre gucken wir uns aber eine Region in Deutschland aus und fahren für eine Woche auf Mini-Tournee dorthin“, sagt der Chorleiter. Dieses Mal kamen Goslar, Elbingerode, Göttingen und Northeim in den Genuss.

Volle Begeisterung

Zu „Let the children come“, einer Eigenkomposition nach dem Matthäus-Evangelium, schreiten die Sängerinnen und Sänger durch das Mittelschiff zur Bühne im Altarraum. Auch fünf Kinder der Chormitglieder dürfen, ganz nach dem Tourneemotto, für die ersten beiden Stücke mit dabei sein. „Dear family“, singt der Chor, nach einem Gedicht einer 16-jährigen Aids-Waisen aus Südafrika. Einige Mitglieder spielen Instrumente, die sie bei verschiedenen Titeln einsetzen. Dobro, Mundharmonika, Akustikgitarre und eine Cajon tun dem Graham-Nash-Klassiker „Teach your children“ extrem gut. Ständig ist der Chor in Bewegung und die Sänger rochieren je nachdem, wer als Solostimme vorne steht, nach den Stücken oder reichen Mikrofone durch die Reihen. Alle sind voller Begeisterung dabei, da fällt es nicht schwer ins Gewicht, dass bei den Solisten mancher Ton nicht perfekt sitzt. Das Publikum spendet begeistert Applaus und Jubelrufe.

Tosender Beifall

„Tears in heaven“, die Ballade von Eric Clapton, in dem er den frühen Unfalltod seines vierjährigen Sohnes verarbeitet, entfernt sich in Bergs Arrangement deutlich vom Original und gerät fast eine Spur zu fröhlich. „Like a motherless child“, ursprünglich ein traditionelles Bluesstück, erntet, nicht zuletzt durch die voluminöse Altstimme der Solistin, tosenden Beifall. „All the weary mothers“, im Original von Joan Baez, ist ein flammendes Statement gegen alle Kriege dieser Welt. „Amazing Grace“ und „Joyful Joyful“ reißen die Besucher zum Ende des Abends derart mit, dass sie sich mehrere Zugaben erjubeln. „Oh happy day“ bezieht das südniedersächsische Sitz-Publikum ein, in Mississippi oder Georgia hätte spätestens jetzt die gesamte Kirche getanzt, aber alle klatschen wenigstens taktgerecht mit. Zu einer bluesigen intensiven Version von Bob Dylans „Lord protect my child“ ziehen die Joyful Singers langsam aus der Kirche aus.


Von Christoph Mischke. Erschienen am 11.08.2018 im Göttinger Tageblatt.


Die "Joyful Singers" aus Berlin präsentieren ihr Programm "God's Children" in der Nikolaikirche.